«erfasse die Sache, dann folgen die Worte von selbst»

Übersetzungen, Auftragstexte, Lektorate, Audiobeiträge, Hörbuchschnippsel, Video-Reportagen, Interviews – eine Auswahl

Auftragstexte

Beitrag UN-Broschüre über sexuelle Gewalt

Die konsequente Verfolgung sexueller Belästigungsfälle birgt nennenswerte ökonomische Vorteile

Die aktuelle Forschung beziffert eindeutig die Kosten, die durch die mangelnde Ahndung von Missbrauchsvorfällen entstehen und gibt Hinweise, wie Übergriffe verhindert werden können.

Sexuelle Belästigung bleibt eine weitreichende Problematik in der Wirtschaft, auch nach dem globalen MeToo-Sturm der Entrüstung, welcher 2017 auf den Weinstein-Skandal folgte. In Europa und den USA bringen erneute Vorfälle auch Altlasten an die Oberfläche. Die effektive Bekämpfung sexueller Belästigung gestaltet sich besonders schwierig in akademischen Kreisen, in welchen es essenziell ist, wissenschaftliche Veröffentlichungen in namhaften Fachzeitschriften zu platzieren. Dies wiederum bedingt den Gutwillen internationaler Fachkollegen, sowie Vorgesetzter.

Dennoch hat sich einiges getan. Ökonomen betrachten die Auswirkungen von sexueller Belästigung mit derselben wissenschaftlichen Strenge, mit der sie sonst den Arbeitsmarkt oder Arbeitsunfälle analysieren. Ihre Erkenntnisse machen die Kosten von sexueller Ausbeutung und Missbrauch erfassbar – sowohl für die Opfer an sich wie für die weitere Erwerbsbevölkerung. Die Forschung macht auch ersichtlich, dass gewisse Maßnahmen Wirkung zeigen. Die Bekämpfung von sexueller Belästigung hat einen bezifferbaren Nutzen.

Nicht allein, dass die psychischen Folgen sexueller Belästigung bereits schwer wiegen, kommen signifikante wirtschaftliche Einbußen hinzu. Betroffene lösen ihr Arbeitsverhältnis auf und wechseln zu Feldern außerhalb ihrer Qualifikation. Über einem Zeitraum von 5 Jahren gemessen stieg die Wahrscheinlichkeit um 25%, dass Frauen, welche sexuelle Belästigung meldeten, ihren Job wechseln; bei Männern stieg die Wahrscheinlichkeit um 15%.[1] 
 Opfer gewalttätiger Übergriffe, wie sexuelle Nötigung, haben ein vergleichbar hohes Risiko der Langzeitarbeitslosigkeit wie Fabrikarbeiter nach einer Werksschließung.[2] Des Weiteren verhindert die Angst vor Arbeitslosigkeit, dass Opfer sexueller Belästigung das Wort ergreifen; während einer Wirtschaftsrezession werden nur besonders gravierende Fälle gemeldet.[3]   

Untersuchungen ergeben, dass Angehörige von Risikogruppen – meist Frauen – im Schnitt eine Lohneinbuße von 17% hinnehmen, um die Gefahr sexueller Belästigung zu vermeiden.[4] Die jährlichen Gesamteinkommensausfälle von Frauen in den USA belaufen sich auf 9,3 Millionen US-Dollar.[5]

In der Forschung zeigen sich auch Lösungsansätze: Lohnflankierende Maßnahmen, etwa Arbeitslosenversicherungen, erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Arbeitnehmer Anzeige erstatten.[6] Infrastrukturelle Investitionen, welche den Stellenfindungsprozess erleichtern, wie Verkehrsnetzverbesserungen, sollten ebenfalls einen positiven Effekt haben. In Arbeitsmärkten mit limitierter Stellenmobilität, und einem erhöhten Vergeltungsrisiko – etwa die Filmbranche oder akademische Karrieren – liegt es an Dachorganisationen, Verstöße zu ahnden. Hierfür benötigen diese aber auch die nötigen Befugnisse; so kann die American Economic Association AEA Untersuchungen eröffnen auf Basis ihres Verhaltenskodex. Es mangelt ihr aber an der Möglichkeit, Beweise zu sammeln und Sanktionen zu verhängen. 

Arbeitgeber haben zudem ein großes Eigeninteresse, stärker gegen sexuelle Belästigung vorzugehen. Seit 2017 verlassen Frauen zunehmend Organisationen, die ihre Angestellten unzureichend schützen.[7] Auch Arbeitnehmende, die nicht direkt betroffen sind, verlassen mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Firma, in der ein Vorfall von männlicher Gewalt gegen Frauen gemeldet wurde.[8] Die Schlussfolgerung ist, dass Unternehmen, welche konsequent gegen Belästigung vorgehen, einen Wettbewerbsvorteil haben, da diese auf einen größeren Talentpool zugreifen können.  

[1] Sexual Harassment and Gender Inequality in the Labor Market Folke O, Rickne J; in: Quarterly Journal of Economics, Vol. 137, no 4, p. 2163-2212. Oxford University Press, 2022

[2] Violence against Women at Work. Adams-Prassl A, Huttunen K, Nix E, Zhang N; in: Quarterly Journal of Economics, Vol. 139, no 2, p. 937-991. Oxford University Press, 2023

[3] Why Is Workplace Sexual Harassment Underreported? The Value of Outside Options Amid the Threat of Retaliation. Dahl G.B, Knepper M; in: National Bureau of Economic Research Working Paper Series, no. 29248, p. 1-8. Department of Economics, University of California, San Diego 2021

[4] Sexual Harassment and Gender Inequality in the Labor Market Folke O, Rickne J, ebd.

[5] Valuing the Risk of Workplace Sexual Harassment. Hersch J; in: Journal of Risk and Uncertainty, Vol 57, p. 111-131. Springer Nature 2018

[6] Why Is Workplace Sexual Harassment Underreported? The Value of Outside Options Amid the Threat of Retaliation. Dahl G.B, Knepper M, ebd.

[7] It’s a man’s world: culture of abuse, #MeToo and worker flows. Batut C, Coly C, Schneider-Strawzynski S; in: Dondena Working Papers, No. 149, p. 1-41. Università Bocconi 2021

[8] Sexual Harassment and Gender Inequality in the Labor Market Folke O, Rickne J, ebd.

Am Mittwoch, dem 10. April, um 16:30 kam es zu einem Unfall in der neu gebauten Lagerhalle der Firma WENGER LACKE & FARBEN. Eine Reihe von Explosionen setzte die Halle in Brand. 5 Mitglieder der Feuerwehr wurden leicht verletzt, ein Mitarbeiter der Firma trug schwere Verletzungen davon.

Lagerist Herr Karl Binzi bemerkte, nach eigener Aussage, kurz nach 16:00 einen seltsamen Geruch. Er ging der Geruchsquelle nach und stellte in der Lagerhalle einen starken Geruch von Verdünnungsmittel fest. Herr Binzi verliess die Lagerhalle und begab sich direkt in das Büro der Firmenchefin Frau Karin Wenger. Er meldete ihr, dass wahrscheinlich ein Kanister mit Verdünnungsmittel ausgeflossen sei.

Frau Wenger telefonierte, direkt auf den Bericht von Herrn Binzi folgend, der Notrufzentrale, noch bevor es zum Unfallereignis kam. Der Notruf ging um genau 16:21 bei der Feuerwehrstation ein, laut Feuerwehrkommandantin Frau Klara Meyer. Die Feuerwehr mobilisierte 5 Löschzüge – darunter 2 moderne Schaumlöschwagen. Die Feuerwehr traf 16:29 bei der Firma WENGER ein. Da die Hydranten brandschutzkonform beschriftet waren, konnte die Feuerwehr unverzüglich alle notwendigen Vorbereitungsmassnahmen für einen Löscheinsatz tätigen.

Nachdem Frau Wenger den Notruf getätigt hatte, ging sie mit Herrn Binzi zu der Lagerhalle, um den Vorfall in Augenschein zu nehmen. Gerade als sie den Hof betrat, sah Frau Wenger einen Lichtblitz. Diesem folgend kam es zu einer Explosion in der Lagerhalle, welche die Fensterscheiben zerbarst, was Glassplitter umherfliegen liess. Frau Wenger und Herr Binzi blieben jedoch unversehrt, da sie genügende Distanz zum Ereignisort hatten. Laut Frau Wenger stand die Halle innert 5 Minuten in Flammen.

Um 16:40 gab Frau Meyer dem anwesenden Feuerwehrkorps den Befehl «Wasser marsch!». Die beiden Schaumlöschzüge spritzen Speziallöschschaum in die Lagerhalle hinein, durch die zerborstenen Fenster. 2 weitere Löschzüge spritzen von aussen Wasser auf die Halle. Ein letzter Löschzug bespritzte das angrenzende Gebäude mit vier Löschgruppen, um es herunterzukühlen. Insgesamt waren 28 Mitglieder der Feuerwehr im Einsatz, aufgrund der Entwicklung giftiger Dämpfe verwendeten sie Atemschutzgeräte. Die Feuerwehr rückte nach dreistündigem Einsatz um 21:00 Uhr wieder ab.

5 Feuerwehrleute wurden vor Ort durch den Notarzt Dr. Alfred Borner wegen leichter Brandverletzungen versorgt. Zudem musste ein Mitarbeiter der Firma WENGER direkt während des Einsatzes ins Krankenhaus transportiert werden. Der Mitarbeiter wurde bewusstlos aufgefunden, 15 Meter hinter der Lagerhalle hinter einigen Öltonnen. Er erlitt Brandwunden an Hals und Gesicht, zudem hatte der Mann Glassplitter in Arm und Gesicht.

Die Feuerwehrkommandantin gab zu Protokoll, dass es sich um den schlimmsten Brandfall der letzten 10 Jahre handelt. Laut Frau Wenger erlitt die Lagerhalle einen Totalschaden und muss ersetzt werden; der Firmenschaden beträgt rund 2 Millionen Schweizer Franken.

https://www.gewa.ch/mutmacher/ihren-platz-gefunden

Ihren Platz gefunden

Céline – eine junge aufgestellte Person voller Tatendrang – beginnt 2022 ihre Lehre in der Landschaftsgärtnerei der GEWA. Es ist der Gipfelpunkt eines steilen Aufwärtspfades, der hier seinen Anfang nahm. Hier fand Céline eine Beschäftigung in der Friedhofsgärtnerei, nach nur einer Bewerbung. Es war das einzige Schreiben, für das Céline die Energie hatte: Es war genau die richtige Stelle.

Wenn Céline nun erzählt – von der Gärtnerei, vom Umgang mit den Menschen in der GEWA – dann blüht sie auf. Céline schätzt die Dankbarkeit der Friedhofsbesucher, wenn diese die gepflegten Gräber antreffen. Es freut sie, einem traurigen Ort etwas Schönes und Ruhiges abzugewinnen. Sie erzählt, wie ihr die Arbeit im Team Spass bereitet. Man spüre, dass jeder wichtig sei. Selbst jemand, der scheinbar nur neben dem Bagger steht und mit einem Stock fuchtelt, hilft in Wirklichkeit dem Fahrer beim Manövrieren, wie ein Dirigent. Es fühle sich wunderbar an, wertgeschätzt zu sein, findet Céline. Sie werde gefördert und gefordert und erfahrt Respekt – ohne Leistungsdruck. Dieser Umgang ist neu für Céline. So etwas kannte sie weder von zuhause noch von der Schule. Immer wieder betont sie, wie dankbar sie für diese Achtung ist.

Gemeinsam seine Zukunft bauen

In der GEWA heilte Céline. Sie erzählt, wie sie dank ihrer neuen Arbeit eine Chance entdeckte. Und von dieser spricht sie mit Enthusiasmus: Sie will auch in Zukunft im Gartenbau arbeiten, kreativ walten, schöne Parkanlagen errichten. Céline ist dankbar. Nicht nur dafür, dass sie sich in der GEWA geborgen fühlt, sondern vor allem, weil sie wieder nach vorne schauen kann.

Céline unterstreicht, wie wichtig die Gemeinschaft ist. Das mache die GEWA zu einem grossartigen Ort: Gemeinsam werde erbaut und gegenseitig aufgebaut. Gemeinsam werde – ganz nach dem Motto der GEWA – gewagt. Sie hat es geschafft, ihr Schicksal zu kehren: Sie fühlt sich nicht mehr einsam, sie ist einfach gerne allein; sie kann sich anpassen, ohne sich zu verlieren; sie meistert Herausforderungen, statt überwältigt zu sein. Céline zappelt nicht mehr rum; sie hat Drang, zu erschaffen. Sie durfte lernen, es wert zu sein, geschätzt zu werden und ihren eigenen Platz im Leben zu formen. Oder wie es Céline mit einem schönen Schlusswort ausdrückt: «Man muss sich selbst treu sein. Gerade, wenn es sich so anfühlt, als gäbe es für einen keinen Platz im Leben – das heisst nur, dass man ihn noch nicht gefunden hat. Und darum gibt es die GEWA. Hier ist man gemeinsam für dich da».

Das Medium und die Massage

Shiatsu auf der Frankfurter Buchmesse (ein Auftragstext)

Langsam verloren gehend in polierten Phrasen

rasen Augen über den neuesten Foliant.

Gebannt sult der Verstand

sich

in mentalen Ekstasen

und die Spannung steigt.

Der Bücherrücken liegt sanft in der Hand.

Durch Gewandte Wörter das Bewusstsein entschwand

für das Gewicht

auf welchem dichte Atmosphäre basiert

und bald,

Blatt nach Blatt,
auf dem Schulterblatt sich manifestiert.

Die Verspannung steigt.

Schmerzt zerreisst die Konzentration,

Verbannt Zen und Kognition.

Der Kopf wird schwerer als das Buch;

Des Bücherwurms ewiger Fluch.

In Arm und Brust der Schmerz erpocht

wie Rache die durch hohle Gasse kroch.

Doch ist Hoffnung angebracht in solcher Instanz

denn auf das Medium folgt gern die Massage

Hände und Finger verbannen mit Eleganz

den Schmerz aus dieser Lebenspassage

So das

Die Verspannung schweigt

Und

Die Spannung wieder steigt

Ergo erhoffen wir von FixBackMassage,

Ein junges Unternehmen mit kleiner Marge,

fern im Umsatz den Millionen,

einen Standplatz zu günstigen Konditionen.

Hoffend dieses Poem

wird nicht empfunden als böses Omen

– Der “Reim” schmerzt wie ein kaputter Rücken –

oder gar als traumatisch

unten geht es weiter in Englisch

Misery Index, Wormrot, Lion’s Daughter & Truth Corroded

https://plekvetica.ch/event-details/misery-index-wormrot-truth-corroded/embed/#?secret=ehBH22uki9#?secret=Ouvp94vLg5

Dynamo, Zürich

Rückblick Konzert

Ach, der erste April. Der Tag im Jahr, an dem man sich normalerweise am besten im trauten Zuhause verkriecht, und dies vorzugsweise hermetisch abgeschirmt. Oder man geht an ein Konzert, denn wer statt lahmen Aprilscherzen lieber aufrichtige Wut erleben wollte, der kam im Werk 21, dank RoadRage Booking, auf seine vollen Kosten. Dieser Einstellung schienen erstaunlich viele Menschen zu folgen, denn der Keller war extrem gut besucht, und zwar nicht nur für einen Montag. Gelohnt hat sich das nicht nur für den Veranstalter (hoffe ich mal), sondern definitiv auch für das lärmlüsterne Volk.

Truth Corroded

Überpünktlich legen die Australier los und servieren Death Metal, welcher Irgendwo zwischen alter und neuer Schule ein Austauschjahr einlegte. Vom ersten Blast an punktet die Band mit riesiger Spielfreude, guter Bühnenpräsenz und tightem Zusammenspiel. Der Sound war dabei sehr mächtig produziert und ziemlich differenziert, wenn auch das Schlagzeug zu Beginn sehr übermächtig im Mix war und die Gitarren entsprechend leider untergingen. Das führte zu der relativ komischen Situation, einen Gitarristen dabei zu beobachten, wie er sein schönstes Solo à la Slayer darbot, ohne das man davon etwas hören konnte. Ausser dem gelegentlichen Whammie-Massaker, naturgemäss. Das sind aber vollkommen natürliche Kinderkrankheiten, wie sie zu Beginn eines jeden Untergrundkonzertes auftreten können, die von der äusserst talentierten Hausmischerin schnell kuriert wurden. So konnte man sich schnell auf die Musik konzentrieren. Das war solider Death Metal Marke Dampfwalze. Kein Feuerwerk der Gefühle, und wohl nichts, das zwingend in die Plattensammlung muss. In Kombination mit der aufrichtigen Spielfreude war Truth Corroded aber eine gute Band zum aufwärmen. Den sympathischen Aussies gefiel es jedenfalls merkbar, und beim späteren Feiern wurde auch freudige Verwunderung über die zahlreich erschienen Gäste kund getan.

The Lion’s Daughter

Band Nummer Zwei im Billing war eine spezielle Angelegenheit. Das Trio aus St.Louis namens The Lion’s Daughter spielt eine interessante Form von Post-Metal, gleichermassen aggressiv wie progressiv, angereichert mit vielen düsteren Synthies, welche die Qualität eines John Carpenter Horror-Soundtracks entfalten. Düster, schräg und für viele ein Grund, den Raum zu verlassen. Für mindestens genauso viele aber eine spannende Entdeckung, die durch Ideenfrische diverse ungläubige Lächeln in die anwesenden Gesichter zaubern konnte. Rein die Präsentation betrachtend war letztere Reaktion eher berechtigt. Die Band webte einen mächtigen Klangteppich, unterstützt durch gleichermassen dichten wie differenzierten Sound, und zeigte dabei eine wunderbar räudige Punk-Attitüde. Die halbe Stunde war jedenfalls schnell Geschichte. Entweder die Musik genissend, oder halt Bier trinkend.

Wormrot

Weiter geht es mit dem heimlichen Headliner aus Singapur, Wormrot. Ohne grosses Brimborium und mit einem Minimum an Ansagen schmettert die Band den Gipfel des kontemporären Grindcore in den Raum. Aggressiv wie sonst nichts, mit einem Plethora an fetten Riffs; an D-Beats und Blasts; an keifend und quiekend und wütendem Gesang; und eingängigen Melodien. Richtig, Grind mit (etwas) Melodie, die dem ganzen ein Alleinstellungsmerkmal verleiht und eine mitreissende Qualität entstehen lässt, ohne dabei die Aggression zu mindern. Das ganze wieder sehr gut abgemischt, dargeboten mit gewaltiger Spielfreude und einer Inbrunst, wie man sie beim westlichen Wohlstandsgrind oft vermisst. Allein die Tatsache, das während des Sets die Leute reinströmten, aber praktisch niemand den Keller verliess, dürfte Attest genug sein, dass hier 40 Minuten Übergrind erklangen. Belohnt wurde die Begeisterung des Publikums sogar mit einer offensichtlich spontanen Zugabe. terima kasih banyak!

Misery Index

Kommen wir zum eigentlichen Headliner. Inbegriff des modernen Death Metal, Live-Hegemonen, die allmächtigen Misery Index legen los. Und… anscheinend mit einem Schlagzeug-Solo. Ja, der Kreis des Abends schliesst sich, Kevin Talley’s Drum, spezifisch seine Bassdrum, übertönt fast alles. Das Drum klingt auch fantastisch, aber eigentlich würden dies auch die Gitarren. Diese gehen zwar nicht so massiv unter wie anfänglich bei Truth Corroded, dafür erfährt man als Zuhörer aber auch keine nennenswerte Besserung im Verlauf des Sets. Sehr Schade, man fragt sich, ob der Mischer von Misery Index nicht lieber der Hausmischerin das Feld geräumt hätte, ihre evidente Fähigkeit sowie Vertrautheit mit der Location wären sicherlich nützlich gewesen. Hier darf jetzt jeder selber einen eigenen Anti-Chauvinistischen Witz einfügen.
Abgesehen vom Klang war der Auftritt sehr tight. Misery Index boten eine Spielfreude und Lockerheit, wie man sie schon länger nicht mehr von ihnen gesehen hat. Und wer Hits wie „The Spectator“ und „Conjuring The Cull“ und „Traitors“ und, und, und… im Gepäck kat, der kann live nicht verlieren. Leider verblassen im Vergleich die Songs vom neuen Album, bis auf das sehr freche „Naysayer“. Sie sind sicherlich sehr solide, aber eine Band, die Meisterwerke wie „Heirs to Thievery“, „The Killing Gods“ und „Retaliate“ im Katalog hat, bei der ist „sehr solide“ leider gleichbedeutend mit „irgendwie langweilig“. Aber genug des Jammern auf hohem Niveau. Der Auftritt war zwar nicht der gewohnte Abriss, aber trotzdem sehr gelungen, denn schlussendlich kann man nur gewinnen, wenn man einen Song wie „You Lose“ hat.

Fazit

Ein Publikum, das zahlreich und motiviert anwesend war, trotz eventueller Widrigkeiten. Vier qualitativ hochwertige Bands voller Spielfreude. Eigentlich gelungener Sound, so fern man die kleinen Beleidigung des klanglichen Alltagslebens ignoriert. Und das alles erstklassig durchorganisiert von RoadRage Booking.
Eigentlich steht diese Show stellvertretend für das ideale Untergrundkonzert, wie man sie gerne (noch) öfter erleben würde in der Schweiz.

Übersetzungen ins Deutsche

Ausgangstext:
https://www.economist.com/finance-and-economics/2024/11/07/india-is-undergoing-an-astonishing-stockmarket-revolution

Indiens erstaunliche Börsenrevolution: Kleininvestoren können frohlocken – und müssen sich vor den Verlockungen hüten.

Kapitalismus für die breiten Massen – in Indien wird, für gut 100 Millionen Menschen, gerade die partizipatorische Ökonomie Realität. Dank der Lockerung regulatorischer Einstiegshürden sind zahlreiche Haushalte in der Lage, in Indiens boomenden Aktienhandel zu investieren. Diese frisch gebackenen Kapitalisten, knapp über der Existenzschwelle, besitzen nun kleinste Anteile öffentlich gehandelter Unternehmen. Ein Fünftel aller Haushalte besitzt mittlerweile ein Aktienportfolio, vor 5 Jahren waren es gerade mal 7 %. Dieser Anteil wird tendenziell steigen.

Die Aktienpreise an der indischen Börse stiegen in den letzten 5 Jahren um 80 %. Im Vergleich dazu stieg der Aktienindex MSCI Emerging Markets um gerade mal 6 %. Dieses enorme Wachstum birgt allerdings Risiken. Eine Stimmung ungebremster Euphorie; hohe Aktienpreise, die Gewinne drücken; und dank Deregulation heisslaufende Termingeschäfte machen den indischen Aktienmarkt äusserst instabil. Viele unerfahrene Anleger laufen hier Gefahr, durch risikoreiche Investitionen grosse Verluste einzufahren.

Die indischen Regulationsbehörden lassen jetzt verlauten, dass ein Gemeinschaftsfond mit einem monatlichen Mindestbeitrag von 250 Rupien (2.60 CHF) bald eröffnet wird. Dieser Gemeinschaftsfond wird mit der Investmentverwaltungsgesellschaft Aditya Birla Sun Life realisiert. Aditya Birla Sun Life ist ein Joint Venture der indischen Adytia Birla Group und des kanadischen Finanzdienstleisters Sun Life Financial. Dies ist emblematisch für die Transformation des indischen Finanzmarktes. Sun Life kehrt zurück an den indischen Markt, nachdem das traditionsreiche Unternehmen 1956 das Land verlassen musste, als die damalige sozialistische Regierung hunderte von Versicherungen verstaatlichte.

Sun Life kehrte kurz vor der Jahrtausendwende zurück, zeitgleich zu neuen Wachstumsplänen. Beides repräsentiert den politischen Systemwandel Indiens. Die Liberalisierung des Finanzsektors begann Anfang der 1990er Jahre, die Reichweite der Bewegung war allerdings begrenzt. Es ist nur 10 Jahre her, dass laut der Boston Consulting Group Sparbucheinlagen und Bargeld zwei Drittel der Haushaltsvermögen ausmachten. Jetzt ist es für jedermann möglich, ein Anlagekonto zu eröffnen, Wertpapiere günstig zu handeln und sie bei einer Depotbank zu verwahren. Jeder dieser scheinbar simplen Schritte war bis vor Kurzem noch eine Herausforderung für Kleininvestoren. Eine Konteneröffnung verlangte stapelweise Dokumente; Makler führten Aufträge zu horrenden Provisionen aus. Darüber hinaus konnten Wertpapiere verloren gehen –oder wurden gar gestohlen.

Die Digitalisierung des indischen Finanzmarktes hat dazu beigetragen, den Wandel voranzutreiben. Das Unified Payments Interface (UPI) des Landes, ein Netz für elektronische Zahlungen, wurde 2016 ins Leben gerufen und wurde seitdem weithin eingeführt. Es verlinkt Einzelpersonen mit ihren Bankkonten, was die Identifikation gewährleistet, und erlaubt einen fast sofortigen Aktienkauf. Der digitale Wandel hat die Entmaterialisierung erleichtert, sprich die Umwandlung von physischen Aktienzertifikaten in elektronische Aufzeichnungen.

Die Haushalte investieren nicht mal mehr die Hälfte ihrer Vermögenswerte in Bankeinlagen. Bis 2030 wird dieser Anteil auf einen Drittel fallen. «Investmentfonds sind die richtige Wahl»; mit diesem Mantra wirbt eine Kampagne des Wirtschaftsverbandes für Investmentfonds – mit grossem Erfolg, im August war die Zahl der Investmentfondkonten auf 205 Millionen gestiegen. 2021 waren es gerade mal 73 Millionen. Grösstenteils sind es Konten mit kleinem Vermögen, der Durchschnitt ist unter 4000 US-Dollar. Dieses Wachstum ist begünstigt durch elektronische Broker, die «kompliziertes Zeugs super easy machen», so der Tenor des führenden Anbieters Groww. «Invest in everything» proklamiert darauf Zerodha, der zweitgrösste e-Broker.

Ein Grossteil des Wachstums wurde durch Produkte angetrieben, die Kleininvestoren zur Verfügung stehen. Die Zahl der systematischen Investitionspläne (SIP), die in Investmentfonds investiert werden, ist in den letzten acht Jahren von 10 auf 99 Millionen gestiegen, wobei die Beiträge im Jahr 2023 auf 24 Milliarden Dollar gestiegen sind. Die Fonds nehmen monatliche Einzahlungen von Investoren. Im August erhielten sie 2.8 Milliarden US-Dollar und setzten damit einen Rekord von monatlichen Zuflüssen fort, der sich seit 2016 mit nur seltenen Unterbrechungen erhielt. Auch die Demat-Konten, die für die elektronische Aufbewahrung von Aktien in Indien dienen, sind explosionsartig angestiegen. Im August erreichten sie 171 Millionen, ein Anstieg von 54 % gegenüber Januar letzten Jahres. Der grösste Boom ist aber im Handel von Derivaten: Indien generiert hier 80 % des globalen Umsatzes. Kleininvestoren tätigen mittlerweile 40 % indischen Tradings. 2018 waren es gerade mal 2 %.

Ausgangstext https://www.fudgekitchen.co.uk/pages/about-us

Wir versüßen das Leben

Wir haben eine Meldung in ernster Sache – denn Karamell ist auch für Erwachsene . Darum trauen wir uns, wichtige Themen direkt anzusprechen . Denn unser Ziel ist es, das Leben süßer zu machen. Unsere Süßigkeiten sind Aufmerksamkeiten, mit denen wir weltweit Gemüter aufhellen, damit die Welt ein bisschen netter wird. Genauso, wie unser Gründer Jim es uns beibrachte . Wir verfolgen das Ziel, die besten Konditoren zu sein, die wir sein können, so dass unsere handgefertigten Schöpfungen weltweit unvergleichlich sind, was Natürlichkeit, Erfindergeist, und natürlich Geschmack anbelangt.

Wir halten das Leben süß

Wir sind uns unseres Einflusses auf die Umwelt schon immer bewusst gewesen, darum verhindern wir jegliche Verschwendung. Durch hocheffiziente Rezepte und Herstellungsverfahren; durch das konsequente Wiederverwerten von Verpackungs- und Büromaterial. Unser ökologischer Fußabdruck ist uns schon lange klar, und genauso lange unternehmen wir alles, um ihn klein zu halten – und dann noch ein bisschen mehr .  

Darum haben wir 2020 hauseigene Green Teams gegründet. Darüber zu erzählen, wie wir Papierfetzen für unsere Meerschweinchen weiterverwenden, wie wir umweltschonende Beleuchtung einbauen, ist nett, aber viel mehr ist nötig – und wir wollen mehr als das Nötigste leisten. So  gaben wir unseren Angestellten nachhaltige Verantwortung mit diesen Green Teams, die von Grund auf alle Aspekte des Geschäftes radikal überholten: Verpackung, Zutaten, Lieferanten, und mehr.

Unsere drei Grundsätze

Wir wussten, dass Nachhaltigkeit dreidimensional umgesetzt werden muss. Alle Bestandteile des Geschäftes und deren Auswirkungen wurden wiederholt geprüft. Ein Plan wurde in Bewegung gesetzt, der sicherstellt, unseren ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten. Angetrieben von der Beharrlichkeit und der Leidenschaft unserer Entscheidungsträgerin Sián Holt sind wird ein Unternehmen, das nicht nur Gutes produziert, sondern auch die Welt besser macht.

Das Produkt

Zutaten, Lieferanten, Verpackung, Transport… wir haben genau unter die Lupe genommen, wie unser herausragender Fudge entsteht. So stellen wir sicher, dass dieser auch in Zukunft genauso gut für die Seele wie für den Gaumen ist.

Durch neue Partnerschaften mit Lieferanten, die ethische Standards einhalten, umweltfreundlicher Verpackung und der genauen Analyse der Auswirkungen unserer Produktion, können wir stolzer sein als je zuvor auf das, was wir machen, und wie wir es machen.

Die Erde

Der einzige Planet, auf dem es Fudge gibt – schon deswegen muss die Erde gerettet werden! Wir arbeiten direkt mit Bauern und Zulieferern zusammen, damit wir die besten natürlichen Zutaten bekommen. Dieser Ansatz gibt uns ein tiefgreifendes Verständnis für die Wichtigkeit einer diversen und gesunden Umwelt sowie für unsere Rolle in deren Bewahrung – in deren Zukunft.

Unser Engagement ist allumfassend, nachhaltige und positive Effekte auf unseren Planeten auszuüben, sei es durch den Wechsel zu erneuerbaren Energien, oder durch die offene Kommunikation unseres CO2-Fussabdrucks.

Der Mensch

Eine Firma ist nichts ohne wunderbare und talentierte Menschen, die sich mit Hingabe dem Geschäft widmen. In 40 Firmenjahren wuchs unsere 6-köpfige Belegschaft zu einer großen Familie: 60 Menschen, die sich unserem Handwerk mit nie dagewesener Leidenschaft widmen.

Bei uns steht der Mensch im Zentrum: Sowohl durch unsere Green Teams wie dadurch, dass das Geschäft in Arbeitnehmerhand ist. So können wir ein Unternehmen sein, das die Menschen unterstützt und fair behandelt, das sich wohltätig engagiert, und das an die Allgemeinheit zurückgibt.

Ausgangstext https://www.economist.com/leaders/2024/02/01/the-end-of-the-social-network
für die NZZ (4.2.2024)

Das entsozialisierte Netzwerk

Facebook wird zwanzig, und Social Media erlebt eine Metamorphose

Auch nach 20 Jahren bleibt Facebook ein Magnet für Kontroversen und Geld. Ende Januar wurde dessen Gründer Mark Zuckerberg vom US-Senat wegen des Verbreitens schädlichen Materials ein Sermon gehalten. Kurz darauf veröffentlichte Facebooks Mutterkonzern Meta glänzende Zahlen. Der Konzern hat mittlerweile ein Marktwert von 1,2 Billionen US-Dollar. Trotz der ganzen positiven und negativen Aufmerksamkeit, die Social Media weiterhin schafft, findet – wenig bemerkt – ein fundamentaler Wandel statt.

Der sonderbare Reiz von Social Media lag darin, dass es ein Netzwerk zwischen privaten Interaktionen und Massenkommunikation knüpfte. Nun ist dieses Netzwerk im Prozess, sich wieder zu lösen. In Form einer Art hektischen Fernsehens verdrängen Videos von Fremden die Status-Updates von Freunden. Öffentliche Postings verlagern sich zunehmend in geschlossene Gruppen, analog zum E-Mail. Was Zuckerberg den „digitalen Dorfplatz“ nennt, wird umgebaut – und wirft Probleme auf.

Das ist relevant, denn über Social Media erleben Menschen das Internet. Facebook allein hat über 3 Milliarden Nutzerinnen und Nutzer. Social Media Apps machen fast die Hälfte der Bildschirmzeit aus, welche ungefähr ein Viertel der Wachstunden einnimmt – 40 % mehr als noch im Jahr 2020. Die Welt ist digital geworden. Neben dem Unterhaltungswert sind sie auch ein Treffpunkt für Online-Debatten und eine Plattform für politische Kampagnen. Im kommenden Jahr, wenn die halbe Welt an die Urne geht, werden Politiker wie Donald Trump und Narendra Modi mit ihrer Online-Präsenz beschäftigt sein.

Das Auffällige an den neuen Social Media-Apps ist, dass sie nicht mehr wirklich sozial sind. Apps wie Facebook folgen den Fusstapfen TikToks. Sie liefern dem Nutzer eine Selektion an Videos, welche von einer künstlichen Intelligenz ausgewählt wird, die sich nicht am Netzwerk des Nutzers, sondern an seinem Nutzungsverhalten orientiert. Gleichzeitig wird immer weniger gepostet. Der Anteil der Amerikaner, die sagen, dass sie ihr Leben gerne online dokumentieren, ist seit 2020 von 40 % auf 28 % gesunken. Debatten werden auf geschlossenen Kanälen, wie WhatsApp und Telegram geführt.

Die Lichter auf dem Dorfplatz sind aus. Social Media-Apps waren seit jeher undurchschaubar, da jeder Feed individuell ist; aber das chinesische Video-Phänomen TikTok ist eine komplette Blackbox für Forscher. Twitter, nun umbenannt in X, hat einen Teil seines Codes veröffentlicht – aber den Zugang zur Datennutzung erschwert. Private Chatgruppen sind oft vollständig verschlüsselt.

Einige der Konsequenzen sind willkommen. Politische Kampagnen müssen in ihrem Ton entschärft werden, um in private Gruppen erfolgreich zu sein. Ein provokanter Post mag in der Kampfgrube von X viel Zustimmung generieren, verschreckt aber die Eltern in der WhatsApp-Gruppe der lokalen Schule. Beiträge in Chatgruppen sind chronologisch geordnet. Es gibt keinen Algorithmus, der sensationalistische Inhalte popularisiert. Geschlossene Gruppen scheinen insbesondere besser für die psychische Gesundheit von Teenagern zu sein, die darunter litten, dass ihr Leben öffentlich auseinandergenommen wurde. 

In der „hyperaktiven“ Hälfte der sozialen Netzwerke werden Posts von jenseits der eigenen Community angezeigt, durch einen verhaltensbasierten Algorithmus. Soziale Netzwerke sind nach wie vor selbstbestätigende Echokammern. Doch ein Feed, der von überall Inhalte hernimmt, hat zumindest das Potenzial, die besten Ideen zu verbreiten.

Diese neue Social Media-Welt bringt aber auch Probleme mit sich. Messaging-Apps sind weitgehend unmoderiert. Das verhindert eine ungerechtfertigte Überwachung von kleinen Gruppen. In Diktaturen retten verschlüsselte Chats Leben. Aber Telegram-Gruppen mit 200’000 Mitgliedern sind keine Gespräche mehr, sondern eher unregulierte Sendungen. So haben Politiker in Indien über WhatsApp Lügen verbreitet, die auf einem offenen Netzwerk wie Facebook definitiv entfernt worden wären.

Der Wandel hin zu geschlossenen Gruppen, und der resultierende Rückgang öffentlicher Beiträge, verringert die Nützlichkeit öffentlicher Netzwerke. Während der Covid-19-Pandemie bereicherten Forscher und Ärzte eine Online-Debatte, die neben echten Einsichten eben auch Fehlinformationen beinhaltete. Informationen erster Hand auf öffentlichen Netzwerken klärten auf über den Einmarsch von Russland in die Ukraine. Mittlerweile finden diese Konversationen in geschlossenen Kanälen statt, wenn sie nicht vollends verschwinden. Dies hindert die Verbreitung von Wissen. Und auf den öffentlichen Plattformen tummeln sich überwiegend nur noch Männer an den Extremen der politischen Pole, wodurch Debatten verzerrt werden.

Darüber hinaus scheinen die nutzerverhaltensgesteuerten Algorithmen offener Netzwerke bevorzugt gerade die kontroversesten Videos zu verbreiten. Früher mussten Videos aktiv geteilt werden, damit sie viral gingen. Jetzt reicht es, einfach hinzuschauen. Bewusstes Kuratieren ist ersetzt durch ein triebgesteuertes System.

Provokateure wie Trump, oder der Favorit der Wahlen in El Salvador, Nayib Bukele, profitieren; ebenso wie Desinformationskaufleute. Die Plattformen behaupten, sie seien besser darin, Fakes auszusondern. Taylor Swift, die neuste prominente Leidtragende eines Deepfakes, wird wohl widersprechen.

Ausgangstext https://www.economist.com/leaders/2024/02/22/caught-between-putin-and-trump

In der Zwickmühle zwischen Putin und Trump:

Russlands Aggression und Amerikas Zaudern offenbaren ein unvorbereitetes Europa

Die russische Bedrohung wächst, die Verlässlichkeit der Amerikaner schwindet und Europa bleibt unvorbereitet. Die Problemlage ist schnell auf den Punkt gebracht, eine mögliche Lösung jedoch komplex.

Die Sicherheitsarchitektur der NATO, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist – und die bisher einen dritten Weltkrieg verhindert hat – ist tief im europäischen Selbstverständnis verwurzelt; sie zu reformieren wird eine Herkulesaufgabe. Die bequemen Zeiten, die auf den Mauerfall folgten, gehen zu Ende für Europas Regierungen. Das bedeutet, die Verteidigungsausgaben auf ein Niveau anzuheben, das es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat. Europa muss gemeinsam ein schlagkräftiges Militär aufbauen und die eigene Rüstungsindustrie auf einen möglichen Krieg hin neu strukturieren. Die Arbeit fängt gerade erst an.

Die Ermordung des internierten Oppositionsführers Alexei Nawalny am 16. Februar hat wohl endgültig bewiesen, wie erbarmungslos und gewaltbereit Vladimir Putin ist.  

Der russische Präsident hat sein Land auf Kriegswirtschaft umgestellt, wobei sich die Verteidigungsausgaben auf 7.1 % des BIP belaufen. Entsprechend verläuft das dritte Jahr der Ukraine-Invasion endlich zu seinen Gunsten. In drei bis fünf Jahren, so der dänische Verteidigungsminister, könnte Putin gegen die NATO selbst vorgehen, etwa in Form eines hybriden Angriffs auf das Baltikum; mit dem Ziel, das Schutzversprechen der NATO zu diskreditieren, das besagt, dass in Falle eines Angriffs auf ein NATO-Mitglied, die übrigen NATO-Staaten diesem Beistand leisten.

Während die russische Bedrohung wächst, schwindet die Abschreckungswirkung des Westens.  Zum einen ist das auf die wankende amerikanische Unterstützung für die Ukraine zurückzuführen. Zum anderen gibt sich Donald Trump – der gute Chancen hat, der nächste amerikanische Präsident zu werden – unverbindlich, ob er im Falle eines russischen Angriffs seinen europäischen Verbündeten zu Hilfe kommen würde. In der republikanischen Partei sowie in Teilen des sicherheitspolitischen Establishments schwindet die Unterstützung für Europa. Die amerikanische Verteidigungspolitik richtet sich verstärkt auf den pazifischen Raum aus. Sogar wenn Joe Biden wiedergewählt würde, wäre er wohl der letzte von Haus aus transatlantisch orientierte Präsident.

Das sind düstere Aussichten. Europa ist völlig abhängig von der militärischen Schlagkraft der NATO. Ein amerikanischer General klagte jüngst darüber, dass viele europäische Armeen Schwierigkeiten hätten, auch nur eine einzige Brigade von ein paar Tausend Mann aufzustellen. Im Zeitraum zwischen 2015 und 2023 hat Grossbritannien fünf seiner Kampfbataillone eingebüsst.

Zahlreichen Staaten mangelt es an Transportfliegern, Truppenführungsinfrastruktur und Satelliten. Polen verfügt zwar über das ausgezeichnete Mehrfachraketenwerfer-Artilleriesystem HIMARS (High Mobility Artillery Rocket System), kann Langstreckenziele aber nur mit US-Hilfe anvisieren. Fortschritte Russlands und der Ukraine in der Drohnenkriegsführung – unter Kampfbedingungen erprobt – haben die NATO längst abgehängt.

Aufgrund des langen Zeithorizonts in der militärischen Planung muss Europa unbedingt zeitnah eine Kurskorrektur vornehmen. Dabei sollte der eigenen Kampfbereitschaft oberste Priorität eingeräumt werden, angefangen mit einem massiven Ausbau bei der Rekrutierung und Materialbeschaffung. Obwohl die Wehrpflicht teuer und ineffektiv ist, könnten nordische Staaten wie Finnland und Schweden mit ihrer grossen Reservistenzahl als Vorbild dienen. Die europäischen Armeen versuchen zwar, ihre Rüstungsaufträge zu bündeln, aber Länder mit einer nennenswerten Rüstungsindustrie streiten oft darüber, ob ihre Unternehmen einen fairen Anteil am Geschäft erhalten. Frankreichs Regierung ist verstimmt, weil einige europäische Länder ein Luftabwehrsystem kaufen, das amerikanische und israelische Trägerraketen verwendet. Beim Kompromiss zwischen der schnellen Verbesserung der Kampfkraft ihrer Truppen und dem langsamen Aufbau ihrer eigenen Verteidigungsindustrie sollten die europäischen Staaten mehr Wert auf Geschwindigkeit legen.

Das wird nicht billig. Dieses Jahr werden sich die Verteidigungsausgaben der europäischen NATO-Länder auf voraussichtlich 380 Milliarden US-Dollar (350 Milliarden Franken) belaufen. Kaufkraftbereinigt ist das in etwa so viel wie Russland ausgibt, allerdings bei einem schlechteren Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Ursache ist vor allem ein angesammelter Investitionsrückstand, begünstigt durch die Aufsplittung auf die einzelnen Länder. Die NATO erwartet, dass die Mitgliedstaaten 20 % ihres Armeebudgets für Waffen ausgeben. Die Finanzierungslücke der EU-NATO-Länder (plus Norwegen) ist seit 1991 auf 557 Milliarden Euro (534 Milliarden Franken) angewachsen.

Diese Lücke zu füllen, wird schwierig. 2022, acht Jahre nach der Annexion der Krim durch Russland, gaben die europäischen NATO-Mitglieder für die Verteidigung preisbereinigt nicht mehr aus als im Jahr 1990. Im selben Zeitraum haben sich die Sozialausgaben mehr als verdoppelt. Streitigkeiten über NATO-Budgets laufen oft darauf hinaus, ob ein Land die Vorgaben von 2 % des BIP für Verteidigungsausgaben erfüllt. Wie das Geld ausgegeben wird, spielt auch eine Rolle. Aber selbst bei erheblicher Effizienzsteigerungen werden die 2% nicht reichen.

Falls europäische Regierungen die Mittel über Kürzungen von staatlichen Leistungen, Steuern oder über neue Schulden beschaffen wollen, müssen sie die Wähler von der Notwendigkeit der Opfer überzeugen. Deutschland müsste sein Grundgesetz ändern, damit die konstitutionell verankerte Schuldenbremse nicht den massiven geplanten Verteidigungsausgaben im Weg steht. Viele Europäer, die von Jahrzehnten des Friedens verwöhnt sind und sich immer auf den Schutz Amerikas verlassen konnten, tun sich schwer mit den harten Entscheidungen, welche die russische Aggression abverlangt.

Beitrag UN-Broschüre über sexuelle Gewalt

Die konsequente Verfolgung sexueller Belästigungsfälle birgt nennenswerte ökonomische Vorteile

Die aktuelle Forschung beziffert eindeutig die Kosten, die durch die mangelnde Ahndung von Missbrauchsvorfällen entstehen und gibt Hinweise, wie Übergriffe verhindert werden können.

Sexuelle Belästigung bleibt eine weitreichende Problematik in der Wirtschaft, auch nach dem globalen MeToo-Sturm der Entrüstung, welcher 2017 auf den Weinstein-Skandal folgte. In Europa und den USA bringen erneute Vorfälle auch Altlasten an die Oberfläche. Die effektive Bekämpfung sexueller Belästigung gestaltet sich besonders schwierig in akademischen Kreisen, in welchen es essenziell ist, wissenschaftliche Veröffentlichungen in namhaften Fachzeitschriften zu platzieren. Dies wiederum bedingt den Gutwillen internationaler Fachkollegen, sowie Vorgesetzter.

Dennoch hat sich einiges getan. Ökonomen betrachten die Auswirkungen von sexueller Belästigung mit derselben wissenschaftlichen Strenge, mit der sie sonst den Arbeitsmarkt oder Arbeitsunfälle analysieren. Ihre Erkenntnisse machen die Kosten von sexueller Ausbeutung und Missbrauch erfassbar – sowohl für die Opfer an sich wie für die weitere Erwerbsbevölkerung. Die Forschung macht auch ersichtlich, dass gewisse Maßnahmen Wirkung zeigen. Die Bekämpfung von sexueller Belästigung hat einen bezifferbaren Nutzen.

Nicht allein, dass die psychischen Folgen sexueller Belästigung bereits schwer wiegen, kommen signifikante wirtschaftliche Einbußen hinzu. Betroffene lösen ihr Arbeitsverhältnis auf und wechseln zu Feldern außerhalb ihrer Qualifikation. Über einem Zeitraum von 5 Jahren gemessen stieg die Wahrscheinlichkeit um 25%, dass Frauen, welche sexuelle Belästigung meldeten, ihren Job wechseln; bei Männern stieg die Wahrscheinlichkeit um 15%.[1] 
 Opfer gewalttätiger Übergriffe, wie sexuelle Nötigung, haben ein vergleichbar hohes Risiko der Langzeitarbeitslosigkeit wie Fabrikarbeiter nach einer Werksschließung.[2] Des Weiteren verhindert die Angst vor Arbeitslosigkeit, dass Opfer sexueller Belästigung das Wort ergreifen; während einer Wirtschaftsrezession werden nur besonders gravierende Fälle gemeldet.[3]   

Untersuchungen ergeben, dass Angehörige von Risikogruppen – meist Frauen – im Schnitt eine Lohneinbuße von 17% hinnehmen, um die Gefahr sexueller Belästigung zu vermeiden.[4] Die jährlichen Gesamteinkommensausfälle von Frauen in den USA belaufen sich auf 9,3 Millionen US-Dollar.[5]

In der Forschung zeigen sich auch Lösungsansätze: Lohnflankierende Maßnahmen, etwa Arbeitslosenversicherungen, erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Arbeitnehmer Anzeige erstatten.[6] Infrastrukturelle Investitionen, welche den Stellenfindungsprozess erleichtern, wie Verkehrsnetzverbesserungen, sollten ebenfalls einen positiven Effekt haben. In Arbeitsmärkten mit limitierter Stellenmobilität, und einem erhöhten Vergeltungsrisiko – etwa die Filmbranche oder akademische Karrieren – liegt es an Dachorganisationen, Verstöße zu ahnden. Hierfür benötigen diese aber auch die nötigen Befugnisse; so kann die American Economic Association AEA Untersuchungen eröffnen auf Basis ihres Verhaltenskodex. Es mangelt ihr aber an der Möglichkeit, Beweise zu sammeln und Sanktionen zu verhängen. 

Arbeitgeber haben zudem ein großes Eigeninteresse, stärker gegen sexuelle Belästigung vorzugehen. Seit 2017 verlassen Frauen zunehmend Organisationen, die ihre Angestellten unzureichend schützen.[7] Auch Arbeitnehmende, die nicht direkt betroffen sind, verlassen mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Firma, in der ein Vorfall von männlicher Gewalt gegen Frauen gemeldet wurde.[8] Die Schlussfolgerung ist, dass Unternehmen, welche konsequent gegen Belästigung vorgehen, einen Wettbewerbsvorteil haben, da diese auf einen größeren Talentpool zugreifen können.  

[1] Sexual Harassment and Gender Inequality in the Labor Market Folke O, Rickne J; in: Quarterly Journal of Economics, Vol. 137, no 4, p. 2163-2212. Oxford University Press, 2022

[2] Violence against Women at Work. Adams-Prassl A, Huttunen K, Nix E, Zhang N; in: Quarterly Journal of Economics, Vol. 139, no 2, p. 937-991. Oxford University Press, 2023

[3] Why Is Workplace Sexual Harassment Underreported? The Value of Outside Options Amid the Threat of Retaliation. Dahl G.B, Knepper M; in: National Bureau of Economic Research Working Paper Series, no. 29248, p. 1-8. Department of Economics, University of California, San Diego 2021

[4] Sexual Harassment and Gender Inequality in the Labor Market Folke O, Rickne J, ebd.

[5] Valuing the Risk of Workplace Sexual Harassment. Hersch J; in: Journal of Risk and Uncertainty, Vol 57, p. 111-131. Springer Nature 2018

[6] Why Is Workplace Sexual Harassment Underreported? The Value of Outside Options Amid the Threat of Retaliation. Dahl G.B, Knepper M, ebd.

[7] It’s a man’s world: culture of abuse, #MeToo and worker flows. Batut C, Coly C, Schneider-Strawzynski S; in: Dondena Working Papers, No. 149, p. 1-41. Università Bocconi 2021

[8] Sexual Harassment and Gender Inequality in the Labor Market Folke O, Rickne J, ebd.

hell.cz

Deutsch und Englisch (aus dem Tschechischen in Partnerarbeit)

Bury your Gays – Chuck Tingle

Kapitel 1 – Memento Mori (Exzerpt)

Das Studiogelände brummt heute voller Energie, und ich verspüre alles andere als Begeisterung. Normalerweise winkt die Security am Osteingang jeden direkt durch, so, dass öde Dreh-Nachmittage bald durchgestanden sind. Heute jedoch warten so 5 oder 6 Autos darauf, von mir entdeckt zu werden.

Irgendwas ist ja immer, gerade hier, und heute ist es mangelhafte Verkehrsführung.

Ich mache es mir gemütlich, und schaue April dabei zu, wie sie von ihrem Wachhäuschen aus Schauspieler, Produzenten, Schreiberlinge, Regisseure, einfach jede und jeden, der hier durchkommt, mit ihrem Lächeln anstrahlt. 

Der kalifornische Sonnenaufgang füllt, trotz der Sonnenbrille, meine Augen mit seinem goldenen Glanz – so, dass ich nicht ganz erkennen kann, mit wem sie gerade spricht. Selbst durch die dunklen Gläser hindurch bleibt mir verborgen, wer der Fahrer des abscheulich lackierten McLaren mit den Scherentüren ist. Der Schopf strahlend weißen Haares ist jedoch Hinweis auf Raymond Nelson, Leiter der Animationsabteilung, und eine echte Hollywood Legende. Das ergäbe Sinn, denn er behält ein Auto selten länger als einen Monat, und dieses Vehikel hätte ich definitiv bemerkt.

Ray ist oldschool. Früher hat der Kerl mir Furcht eingeflößt. Mittlerweile, nach zwei überstandenen Dekaden in diesem Business, schätze ich seine no-Bullshit-Attitüde. Egal, was du zu Raymond Nelsons Studio-Schlachten und seinen berühmt-berüchtigten Tobsuchtsanfällen zu meinen glaubst, es fordert schon Respekt ein, wenn jemand so lange am Ball bleibt.

Vor ein paar Jahren arbeitete ich mit ihm an einem Konzept für einen Cartoon. Der Pitch hatte von Anfang an Startschwierigkeiten, schlussendlich wurde daraus ein live-action Pilotfilm fürs Fernsehen. Seine Vorstellungen zu gewissen modernen Problemfeldern sind zwar alarmierend in ihrer Altbackenheit – er hat aber immer noch jenen Funken, der ihn einst an die Spitze katapultierte. Der Typ ist nicht einfach ein Anzugträger, Raymond hat hart geschuftet, stundenlang zeichnete er jede einzelne Zelle seiner ersten Kurzanimation, da war ich selbst noch eine Eizelle. Er ist als einer der ganz Wenigen noch dabei, die einst dieses Studio aus dem Grund stampften.

Aber er ist auch ein aufgeblasenes Arschloch.

Ray zieht schlussendlich weiter in seinem erzteuren Sportschlitten, dieser limettengrünen fahrenden Reklametafel seiner jahrzehntealten Midlife-Crisis. Der absurde Anblick von Rays neuem Luxuswagen erntet meistens ein belustigtes Lächeln, aber als Ray den Checkpoint passiert, bemerke ich stattdessen einen betonten Ekel auf Aprils Gesicht.

Der Gesichtsausdruck verweilt aber nur einen Moment und weicht wieder der üblichen Herzlichkeit, sobald das nächste Auto zum Schalter fährt, den gleichen Prozess wiederholend.

Ich wiederum fahre vor, die ganze Kolone rückt um einen Platz, und parke wieder. Ich kann mich beim besten Willen nicht entsinnen, dass dieses Prozedere jemals so langwierig war.

Vielleicht dehnen meine Nerven einfach Raum und Zeit gleich einem Kaugummi. Es ist selten, dass ich mich wegen eines Meetings angespannt fühle – normalerweise komme ich  einfach, sag sie sollen sich verpissen, und geh‘ wieder – doch heute fühlt es sich anders an.

Alles in dieser Stadt fühlt sich, in letzter Zeit, anders an.

Ich lehne mich im Sitz zurück, drehe die Stereoanlage runter, beruhige das gefährlich laute Fauchen der britischen Punkband IDLES, und gehe in mich. Tiefe Atemzüge füllen mir die Lunge – rein und raus, rein und raus –ich fördere diesen Ruhemoment noch weiter, in dem ich das Fenster einen Spalt weit öffne.

Rechts von mir erstreckt sich der Hinterhof der Harold Brothers, mit seiner ausufernden Masse an Büros, und den atemraubend riesigen Tonbühnen[DS1] . Zu meiner Linken, ein leeres Meer gelbes Gras, das sich zum Griffith Park erstreckt. Diese breiten Streifen Brachland gehören dem Studio, dazu bestimmt, eines Tages mit monströsen, rechteckigen Tonbühnen zugepflastert zu werden. Aber noch verwöhnen mich diese raren Flecken Natur, hier inmitten der urbanen Weite von Los Angeles, mit einem sachten, einem fast zerbrechlichen Rascheln; der Wind, der sanft Millionen Grashalme aneinander reibt.

Meine Augen schließen sich, meine Haut wärmt sich an der Sonne.

Honk! Honk[DS2] !

Es sind unerwartete Töne, aber zu weit weg, um mir wirklich eine Reaktion zu entlocken. Diese Invasion meiner Klangwelt, bestehend aus zwei gehupten Stakkatos, könnte geradesogut von einem Zirkusclown wie einem Fahrrad stammen.

Ich öffne langsam meine Augen, drehe meinen Kopf in Richtung des offenen Feldes.

Inmitten dieses Meeres aus goldenem Grass stand, unbeholfen, eine Kartonfigur, ihre Füße festgefroren, das Gras sanft den Pappbeinen ein Rappeln entlockend. Es war Chucky der Woodchuck, die zwei massiven Schneidezähne des Waldmurmeltieres eingerahmt durch das manische Grinsen, welches ein Animations-Imperium begründete. Jeden Wochentag früh am Morgen schaute ich zu, wie dieses handgezeichnete Energieknäuel sich mit Wiley Wolf zoffte, der zweidimensionale Wald wie bei Kevin allein zuhause, vollgestopft mit Ambossen, Hämmern, und übertrieben großen Dynamitstangen.

Es hat einen speziellen Reiz, wenn ein Raubtier von der Beute ausgetrickst wird. Selbst wenn es ein Trickfilm-Wolf war, der mittels Raketenskates auf den Mond katapultiert wird.

Diese Nachbildung Chuckys in Karton stammt aus den frühen Tagen, ein klassisches Design in gestochen schwarzweiß, Noch ohne seine Handschuhe. Die schiefen Augen noch viel geweiteter als nun, in der modernen Variante.

Damals, in den Anfangstagen, gab es eine große Zahl potenzieller Zuschauer denen seine raffzahnige Fratze … na, Angst einflößte.  Es gab entsprechend Anpassungen.

Chucky hält eine Fahrradhupe in der einen Hand.

Ich starre die Pappfigur stillschweigend an. Ich bin erstmal überrascht, dass sie mir erst jetzt auffällt, und dann wundere ich mich, wie die Figur überhaupt hierher fand. Das Feld ist gewaltig, und auch wenn das Hintertor nah genug ist, um die Tür zu öffnen für gutes Dutzend logische Erklärungen, wie Chucky hierherkam, fühlt es sich einfach falsch an. Denn irgendwer musste tief ins Gras vorgedrungen sein, um ihn aufzustellen. Chucky the Woodchucks multi-direktional rollender Blick, nach links und rechts schielend, sieht mir, irgendwie, direkt in meine Augen, zieht mich in ihren Bann. Dasselbe unheimliche Gefühl befällt mich wie damals vor so vielen Jahren, vor dem Fernseher kauernd.

Das ursprüngliche Design war wirklich creepy.

Honk!

Das Gequicke explodiert erneut, dieses Mal viel lauter, Ich zucke abrupt zusammen, meine Augen zucken zum Rückspiegel und entdecken, wie der Fahrer hinter mir frustriert gestikuliert.

[DS3] Die Wagen vor mir hatten bereits um zwei ganze Plätze aufgerückt, es präsentierte sich ein klaffendes Loch.

“Leg dein Handy weg!” ruft der Fahrer.

“Ich bin nicht am Telefon!“ brülle ich zurück, auf meine Handfläche zeigend.

Er schüttelt bloß seinen Kopf, vor Ärger schäumend. Er schnellt seine Hand in meine Richtung, mich vorwärtstreibend.

“Du kannst mich auch!“ werfe ich ihm im Wegfahren an den Kopf.

Kaum schalte ich die Automatik in den Vorwärtsgang, [DS4] [DS5] habe ich freie Fahrt zum Sicherheitsstand.

„Verrückt heute, hm? „beginne ich, zu Aprils kleinem weißen Sicherheitshäuschen zufahrend, “Mischa!“ ruft sie entzückt, oder zumindest Entzückung exzellent antäuschend. „Es ist eine Weile her.“

Ich nicke. „Das Zeichen eines echt miesen Drehbuchs, wenn ein simpler Zoom nicht ausreicht.“

 „Ich bin sicher, dass es super wird. Gratulation, übrigens.“

Ich zwinge mich, zustimmend zuzunicken, peinlich berührt. Ich habe nie gelernt, Komplimente anzunehmen, und in meinem Alter schaffe ich das auch nicht mehr.

April reicht mir eine kleine blaue Box. „Daumen“, instruiert sie.

„Du verlangst mittlerweile Fingerabdrücke?“

Aprils schultern zuckten. „Alles hier wird gerade geupdatet. Neues Sicherheitszeugs. Darum dauerts hier auch so lange.“

Ich presse meinen Daumen ein paar Mal gegen das winzige Gerät, bis es schließlich ein sanftes digitales Piepen von sich gibt. “erledigt,“ verkündet April grinsend. Sie nimmt das leuchtende blaue Kästchen wieder an sich. „Viel Glück beim Meeting.“

Ich fahre weiter. Ein kurzer Blick in den Rückspiegel entdeckt, dass Woody the Woodchuck verschwunden ist, wohl umgeweht und rücklings im hohen Gras liegend.

Um mich erheben sich gewaltige Mauern, ein beiges Labyrinth-Raster an Passagen zwischen all den Bühnen des Geländes. Diese Gebäude recken sich empor, blockieren die Sonne, schaffen ein Spinnennetz zwielichtiger Gassen, in welchen diverse Produktionsteams, der Hitze ausweichend, ihrem Alltag nachgehen. Gleich hinter dem Tor durchdringt ein eigenartiges Chaos diese Szene, Gehetze und Gewimmel eines regen Geländes, auf die Spitze getrieben.

Ein einziges Gebäude, der Harold Brothers Wasserturm, ragt über all dem. Die ikonische Konstruktion flutet mich in seinem Schatten, und ich entferne die Sonnenbrille.

Dieser spezifische Abschnitt der Harold Brothers Studios orientiert sich um einen zentralen Knotenpunkt bestehend aus wichtigen Büro-Bungalows und einem Coffee Shop, welcher regelmäßig erschöpfte Crew-Mitglieder zur Mittagspause lockt[DS6] . In der Mitte findet sich ein wohlgepflegter Rasen, mit üppigem Palmgarten, in dessen Springbrunnen ewig kristallklares Wasser fließt.

Ich parke bei der Promenade, steige aus meinem Wagen aus und folge dem schlängelnden Sandsteinpfad. Überall sind Menschen, manchen schlendern an mir vorbei, intensiv in ihre Airpod-Konversationen vertieft, andere hocken auf Bänken, lauthals kaffeetratschend. Ich beschleunige.

Mein Meeting erwartet mich knapp jenseits dieser kleinen chaotischen Oase.

“Mischa, du Wichser!“ ruft jemand, was mich in meinem Schritt unerwartet innehalten lässt.

Erfreulicherweise erkenne ich diese Stimme, immer und überall, und in meinem Gesicht erblüht bereits ein Lächeln, bevor ich mich umdrehe. Tara Ito eilt über den Rasen, um mich zu begrüßen, die Arme meiner besten Freundin weit offen für ihre Warme Umarmung Sie trägt einen orangen Anzug, darunter ein silbernes Pailettenhemd und eine Cowboykrawatte., Drei sehr eigene Kleiderwahlen die bei jeder anderen Person komplett lächerlich wirkten.

Aber meine Freundin kann das Outfit durchziehen. Sie kann alles durchziehen.

Tara ist klein; aber hat die doppelte Energie eines Durchschnittsmenschen. Ihr Haar wäre von Natur aus Schwarz, sie hat es jedoch strahlend weiß frisiert, ein neckischer Kontrast zu ihrer jungen Erscheinung.

Allein die lederne Satteltasche, locker über ihre Schultern geschwungen, gelbe und schwarze Kabel hervorquellend, enttarnt sie als jemand in der Mitte eines zermürbenden Arbeitstages.

Das Tara die meiste Zeit alleine verbringt, Serverschächte durchwühlend und durch dunkle Korridore schlendernd, finde ich zum Totlachen. Wir sind umzingelt von Managern, die sich auf einen Tag voller persönlicher Meetings preppen, doch nicht einer von denen hat auch nur halb so viel Elan und Selbstvertrauen wie Tara.

Wir umarmen uns. „Wie geht’s meinem Baby Boy? Fragt Tara, die sich zurücklehnt, um mir in die Augen zu schauen. Ich bin drei Jahre älter als sie, aber sie hat ein unbezähmbares Faible dafür, mich „Baby“ zu nennen.

“Ich bin parat, um dieses Meeting hinter mich zu bringen,“ gebe ich zu.

“ah, dieses supermühsame Meeting, wo der vize-Präsi vom Fernsehen zwei Anmerkungen für dich hat, um dir dann eine Stunde lang einen zu blasen?“” kontert sie. „Ich implementiere das überarbeitete IP-Sicherheitsprotokoll in siebenundfünfzig Gebäuden heute.“

„Willst tauschen?“ scherze ich.

“Du weißt, dass das nichts ist auf was ich stehe,“ antwortet Tara, dann zwinkert sie. „Ich stehe nirgends, Baby.“ [DS7] „Immer noch mit von der Partie für die Vorführung später?“

“Gott, ja,“ bestätigt Tara mir einem Seufzen. Sie strafft jetzt den Kragen meiner Jacke, ein paar Flusen entfernend, die Falte entknitternd. Plötzlich durchwühlt Tara die Innentasche meines Blazers, und zieht mein Handy raus. Noch bevor ich protestieren kann, hebt sie es vor mein Gesicht und entsperrt das Display.

“Schalte dein Handy in den Flugmodus, wenn du auf dem Gelände bist,“ verkündet sie, während sie durch meine Einstellungen scrollt und es gleich selbst macht.

Nachdem sie fertig ist, öffnet Tara meine Jacke, um das Telefon wieder an seinen rechtmäßigen Platz zu befördern.

Ich kann ein Lachen nicht verkneifen. „Why[DS8] ?“

Das Gesicht meiner Freundin flimmert mit einem raren Moment voller Gravitas. „Datenpakete.“

“Ich habe keinen Plan, was das ist,“ gebe ich zu. „Was wenn ich einen Anruf kriege?“

“Mach’s mir nach,“ sagt sie und zieht zwei verschiedene Handys aus ihrer Tasche hervor, sie in einer Hand ausfächernd. „Ernst und Spaß. Gratulation, übrigens.“ Schon zum zweiten Mal heute verwerfe ich das Kompliment umgehend. Noch bevor Tara den Satz beendet, verziehe ich das Gesicht “Es ist eine bedeutungslose Kategorie. Es wird nicht mal ausgestrahlt, glaub‘ ich.“

„Du verfickter Arsch,“ beschimpft sie mich, ihr Handy wegsteckend. „Es wird ausgestrahlt. Es ist eine große Sache. Niemand wird per Zufall für einen Oscar nominiert.“

“Bester Kurzfilm. Keine Dialoge, und eine Maus spielt mit.“

“Es ist eine große Sache,“ kontert sie streng, und legt mir die Hand auf die Schulter.

“Danke,“ gebe ich schlussendlich nach, ihre wertschätzenden Worte annehmend. Ich blicke im Park umher. „Ist das der Grund für die ganze Aufruhr hier? die Nominationen?“

Tara lacht auf, und nickt ihren Kopf in Richtung der Soundstage zu meiner rechten. „Könnte man so sagen.“

Ich folge der Geste meiner Freundin und erblicke eine kolossale Darstellung, welche über das ganze Gebäude prangt. Ich war so darauf fokussiert, mich auf das Gelände zu bewegen, dass ich nicht mal für einen Augenblick hochschaute. Nun überwältigt mich der Anblick eines riesigen Wandgemäldes

Die gesamte Seite der Soundstage ist mit einem Bild von Superstar Chris Oak bedeckt. Er sitzt an einem Glastisch und sieht erschöpft aus. Die orangefarbene, dramatische Beleuchtung bringt sein bekannt ausdrucksstarkes Gesicht zur Geltung. Der Mann ist atemberaubend gutaussehend, sein braunes Haar ist zurückgekämmt, doch zerzaust. Er trägt einen weißen Anzug, in dessen Schnitt ein Hauch der 1980er Jahre mitschwingt. Ein Hauch Scharlachrot spritzt über die karge Manschette seines Handgelenks.

Audiobook

der Hundertjährige, der aus dem fenster stieg und verschwand (Hochdeutsch)

lesen lehren lernen – eine rezeptive Grammatik des Deutschen

Translations into English

Publireportage Alterswohnresidenz für Demenzkranke

Together, we remember the best times

The onset of dementia bears a heavy future. And it does so for the whole family – our founder John B can attest to this fact. A quarter of a century ago, his mother got diagnosed with Alzheimer’s disease. His father’s life was overwhelmed; his son John overthrew his life to dedicate it to his mother’s care. This was not for lack of excellent health care, Germany provided this. But what was needed went beyond conservative treatment, as dementia hurts most where fading memories tear families asunder. John B witnessed that his mother did best when there were always companions around – so he made this principle concrete by founding a dementia village in a quaint Polish suburb. There, clients of regular families find affordable comfort in an extended family: their competent caregivers, as well as each other. This familial definition of care is the thoughtfulness of a loving son, backed by scientific evidence. Sharing meals and activities together improves not simply the clients’ social interactions[1] and quality of life[2], but directly alleviates the behavioural and psychological symptoms[3] and attenuates the neurobiological impact of stress[4]. And beyond, it positively impacts the caregivers, improving their capabilities even further[5], which foundations the extraordinary care your loved one’s will find in our facilities.


[1] de Rooij et al.

[2] Verbeek et al. (2010)

[3] Smits et al. (2019)

[4] Frontiers. Aging neuroscience (2019)

[5] BMC Geriatrics (2020)

Report on colour in children’s toy marketing

The current primacy of pink dolls for girls, blue cars for boys, is challenged by current scientific findings, as well as by the study of history and the cultural shift.

Multiple studies find that children of either sex do not have a gendered preference in colour, only presenting a bias once they reach an age where cultural influence cannot be disputed.  Beyond the colour spectrum, scientists also found that infants of either sex showed no relevant preference in cars and dolls. In both cases, older children presented established preconceptions, but at this age cultural influence must be considered. More relevant to the marketing of toys is the cultural dynamics. Newspapers show that there is an intense debate, with a strong movement that wishes to abolish gendered toy displays, whilst traditionalists still having a voice.

According to the scientific studies, categories seem to be a stronger influence than colour. Thus, products should be sorted by type: cars, dolls, Lego, etc. Within these categories, the products may be displayed on a colour gradient, from blue tones to green to yellow to red tones. This is visually pleasing and allows children – or their parents – to still choose based on their preferred colour. All the while maximizing potential profits, as children are exposed to more categories as well as colours that they might want, encouraging parents to buy the same toy in multiple colours, as an example.

hell.cz

German and English (in collbaration from the original Czech)

Death Metal

kontaktiere mich: